Lernzeitkonzept

I. Der Weg - Konzeptentwicklung

 

Seit Mitte des Schuljahres 2015/ 2016 beschäftigt sich das Kollegium der Erich Kästner Grundschule im Rahmen der Schulentwicklung intensiv mit dem Thema „Hausaufgaben“.

Anlass waren einige Kritikpunkte und Unzufriedenheit an der bisherigen Hausaufgabenpraxis sowohl seitens des Lehrpersonals als auch der OGS-Mitarbeiterinnen. In unsere Überlegungen wurden zudem die Veränderungen angesichts des gesellschaftlichen Wandels einbezogen:

  • Trotz allgemein sinkender Schülerzahlen, steigt die Betreuungsnachfrage kontinuierlich, und so steht für die Nachmittagsbetreuung jetzt ein kompletter Gebäudeteil zur Verfügung.
  • 2/3 der Schülerinnen und Schüler besuchen die OGS, d.h. für sie gilt das herkömmliche familiäre Betreuungsmodell nicht mehr.
  • Die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler wächst im Zuge der Inklusion und der Migration, so dass eine Differenzierung bis hin zur Individualisierung auch im Hausaufgabenbereich unabdingbar ist.

Nach einer Fachtagung zum Thema „Hausaufgaben – Lernzeit“ wurde das Kollegium (Lehrerinnen und OGS-Mitarbeiterinnen) im Rahmen einer Ganztagskonferenz über die aktuelle Forschung zum Thema informiert, um anschließend gemeinsam Ansätze eines möglichen alternativen Konzeptes für die Erich Kästner Grundschule zu erarbeiten.

Daneben hospitierten die Leitungen der Schule und der OGS an der Franziskusschule in Brühl, um die aktive Anwendung eines alternativen Lernzeitkonzepts vor Ort zu erleben.

 

Während der Konzepterarbeitung gab es erste Ansätze zur Optimierung der Hausaufgabensituation, indem die „Wochenhausaufgabe“ in allen Klassen eingeführt wurde.

 

Um den Bedürfnissen aller am Schulleben Beteiligten gerecht zu werden, war es uns von Beginn an ein Anliegen, mit der Entwicklung eines neuen Hausaufgabenkonzeptes allen Kindern neue Chancen zu einem veränderten Lernen zu bieten. Sowohl OGS –Kinder als auch Kinder, die nach dem Unterricht die Schule verlassen, sollen davon profitieren.

 

 

II. Lernzeiten – Organisation und Inhalte

Das schulische Lernen soll in „Kernzeiten“ und „Lernzeiten“ aufgeteilt werden. In der allgemeinen Unterrichtszeit, der sogenannten „Kernzeit“, sollen vorwiegend Formen des lehrerzentrierten Unterrichts und des kooperativen Lernens verankert werden.

Die „Lernzeit“ soll die Hausaufgaben im klassischen Sinne ersetzen. An deren Stelle treten Formen des individuellen und selbstgesteuerten Lernens (SegeL). Mit Hilfe des „SegeL-Plans“ (ein strukturierter individueller Lernplan) wird v.a. hier dem Auftrag der Richtlinien Rechnung getragen, jedes Kind bezogen auf seine individuellen Stärken und Schwächen nachhaltig zu fördern.  Hier können Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Neigungen individuell berücksichtigt werden.

 

  1. Der SegeL-Plan

Der SegeL-Plan ist in den Grundzügen für alle Klassen einheitlich gestaltet. Der Zeitraum für die Bearbeitung des Plans wird je nach Stufe variieren. Jede Lehrerin legt den Zeitraum selber fest, Fachlehrerinnen werden sich mit den jeweiligen Klassenlehrerinnen absprechen. Die Kontrolle des Plans übernehmen in erster Linie die Lehrkräfte. Die Übungsfelder umfassen nicht nur die Hauptfächer (D, M, SU und E), sondern sollten auch Lernbereiche aus dem Kunst-, Musik- oder Sportunterricht (Wahrnehmung, Motorik, soziales Training …) einbeziehen.

In der Regel arbeiten die Schüler mit herkömmlichen Arbeitsmitteln wie Übungsheften oder Kopiervorlagen. Darüber hinaus wird es materialbasierte Übungsmaterialien geben (z.B. Logico, LÜK, Rechtschreibkarteien, Denkschule …), um so die verschiedenen Lernkanäle zu eröffnen.

Um Nicht-OGS Kinder hierbei nicht zu benachteiligen sind bzgl. der Mitnahme von Arbeitsmaterial individuelle Absprachen zu treffen. Für die ordnungsgemäße Rückgabe der Materialien sind die Eltern verantwortlich.

 

  1. Zeitliche Struktur

Zeitlich gesehen tritt die „Lernzeit“ in die Randstunden des Schulvormittages und ist weitestgehend durch Lehrerinnen der jeweiligen Klasse und durch OGS-Kräfte besetzt. Der Besuch der Lernzeit ist für OGS-Kinder als auch für Kernzeitkinder verpflichtend.

Nicht-OGS Kinder nehmen an den Lernzeiten teil, die zur Einhaltung der Pflichtstundenzahl gehören. Diese sind im Stundenplan gekennzeichnet. Über eine darüberhinausgehende Teilnahme entscheiden die Eltern. (s.II.5)

 

  1. Zusammenarbeit mit der OGS

Während sich beide pädagogischen Kräfte die Aufsichtspflicht über die OGS-Kinder teilen, obliegt die Aufsicht der Nicht-OGS Kinder der Lehrkraft. Sie ist auch für die Gestaltung der Lernzeit sowie den individuellen Lernprozess verantwortlich. Teilungen der Arbeitsgruppe zur äußeren Differenzierung sind in Absprache der Kräfte untereinander möglich.

Die OGS-Mitarbeiterinnen werden durch diese Form der Aufgabenteilung entlastet und müssen weniger als bisher, lehreroriginäre Aufgaben wie Erklären, Kontrollieren und Korrigieren von Aufgaben vornehmen.

 

  1. Nicht-OGS Kinder

Durch das zeitliche Arrangement der Lernzeitstunden ist es auch für Nicht-OGS-Kinder möglich, an der Lernzeit während des Schulvormittags teilzunehmen. Ergänzende Lernzeitstunden können Eltern von Nicht-OGS Kindern nach folgendem Modell wählen:

Von Ferien zu Ferien können die Eltern festlegen, ob und an welchen Tagen ihr Kind an der Lernzeit in der Schule teilnimmt. Die Information muss in schriftlicher Form an die Klassenlehrerin erfolgen. Dazu wird ein Formular der Schule bereitgestellt.

Bei Einführung des Konzeptes ermöglichen wir eine anfängliche Probezeit bis zu den Weihnachtsferien 2017. In diesem Zeitraum ist jederzeit ein Ein- oder Austritt in die Lernzeitstunden kurzfristig möglich.

In der Folgezeit ist ein Ein- oder Austritt in Absprache mit Lehrerin, Eltern und Schulleitung aus besonderem Grunde auch innerhalb des Quartals möglich.

 

  1. Krankheit/ Ausfall einer Lehrerin

Bei Krankheit oder Ausfall einer Lehrerin greift entweder das Vertretungskonzept (Aufteilung) oder die Lernzeitstunde wird von zwei OGS-Mitarbeiterinnen besetzt, so dass eine Lehrerin eine andere Klasse übernehmen kann. In diesem Fall werden die Nicht-OGS Kinder aufgeteilt bzw. von einer Lehrerin beaufsichtigt werden.

 

 

III. Evaluation

 

Am Ende des Schuljahres 2017/18 wird eine Evaluation von allen am Schulleben beteiligten Personen (Eltern, Schüler, Lehrerinnen und OGS-Mitarbeiterinnen) erfolgen. Ein Feedbackbogen wird vom „Arbeitskreis Lernzeiten“ erstellt.